Kohlenhydrate ade - Ketogene Ernährung

Kohlenhydrate ade – die ketogene Ernährung!

Auch in dieser Woche geht es um besondere Ernährungstrends.  Heute erzähle ich dir einige interessante Details über die Ketogene Ernährung.  Keto… was? Was ist das überhaupt für eine Ernährungsform, für wen macht es Sinn, sich danach zu richten und: kann ich es empfehlen? All das hörst du natürlich auch im aktuellen Podcast – hier, auf iTunes oder Spotify!

Zur Definition: Ketogene Ernährung ist eine Form der Low Carb Ernährung, bei der bewusst auf Kohlenhydrate verzichtet wird.  Diese Ernährungsform wird dadurch definiert, dass im Körper spezielle Moleküle entstehen: Die Ketonkörper. Entscheidende Kriterien für eine ketogene Ernährung: 

  • Kohlenhydratzufuhr ist auf ein absolutes Minimum reduziert 
  • Es wird überwiegend Fett aufgenommen
  • Dadurch soll die Fettverbrennung erhöht werden  

Die empfohlene Tagesmenge an Kohlenhydraten liegt bei 0 bis maximal 50g pro Tag. Nur zum Vergleich: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine Aufnahme von ca. 300g Kohlenhydraten pro Tag.  Also ein erheblicher Unterschied. 50g Kohlenhydrate sind wirklich eine sehr geringe Menge. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was bzw. wie viel Kohlenhydrate du zu dir nehmen darfst, folgt eine kleine Übersicht an Lebensmittel mit Mengenangabe: 

  • 100g Couscous 
  • 2 Scheiben Vollkornbrot  
  • eine große Schale Cornflakes  
  • ein kleiner Teller Nudeln  
  • eine halbe Tafel Schokolade  
  • ein Spezi  
  • eine große Süßkartoffel  
  • Linsen oder Kidneybohnen  

Natürlich ist mit einer dieser Lebensmittel das absolute Maximum bereits erreicht. Deshalb setzt die Ketogene Ernährung eher auf Mahlzeiten, die ausschließlich aus Gemüse bestehen, aber auch da heißt es: Weniger ist mehr! Vor allem bei Karotten, Paprika und Wurzelgemüse ist der Kohlenhydratgehalt recht hoch. Die passendere Alternative ist grünes Gemüse, wie Rosenkohl, Grünkohl, Kohlrabi oder Wirsing. Obst ist auch nicht wirklich empfehlenswert, da die meisten Obstsorten zu viel Zucker enthalten. Stattdessen darf mit Fleisch, Fisch und Eiern aufgewertet werden.

Was es noch zu beachten gibt:

Das Fett. Kokosöl, Nüsse, Olivenöl und sogar Butterschmalz bilden die Grundlage der Ernährung.  Eine Kundin startete mal den Selbstversuch, ihr Frühstück durch einen sogenannten Bullet Proof Coffee zu ersetzen.Was ist jetzt schon wieder ein Bullet Proof Coffee? Das ist ein Kaffee bestehend aus Kaffee, Weidebutter, hochwertigen Ölen und teilweise Kondensmilch, also Kaffeesahne. Nährwert: 98% Fett, 1% Protein. Hm, darüber kannst du dir jetzt selbst eine Meinung bilden 😉 

Bringt es das Fett wirklich zum Schmelzen?

Und die große Frage: Was soll bringt Ketogene Ernährung?  Durch diese Art der Ernährung kommt der Körper in die sogenannte Ketose, ein Stoffwechselzustand, bei dem im Blut Ketonkörper vorhanden sind und zwar mehr als im „normalen“ Zustand. Dadurch soll die Fettverbrennung erhöht werden, obwohl der Hauptteil der Nahrung aus Fett besteht. Die Leber produziert diese Ketonkörper und zwar aus Fett. Klingt prima, denn zudem ist die Insulinausschüttung auch sehr gering.  Aber das ist sie auch, wenn du dich diesem Ernährungstrend nicht anschließt, sondern dich ausgewogen und bedürfnisorientiert orientierst.

Die versprochenen Vorteile der Ketogenen Diät hängen mit dem Insulinspiegel zusammen: Der ist nämlich konstant niedrig, was dazu führt, dass auch der Blutzuckerwert nicht mehr so schwankt, keine Heißhungerattacken auftauchen und der Fettstoffwechsel angekurbelt wird. Deine Sättigung tritt dadurch eher ein.  Ja, ich glaube durchaus, dass diese Effekte eintreten, aber dennoch solltest du diese Ernährungsform mit Vorsicht genießen.

Was spricht aus meiner Sicht dagegen?  

  1. Für mich ist es einfach nicht alltagstauglich. Ich gehe gern oft und gut essen, treffe Freunde oder bin auch häufig zum Business Lunch verabredet. Die Ketogene Ernährung empfinde ich auf Dauer als schwierig umsetzbar. Die Ketogene Ernährung ist eine “Ganz-oder-gar-nicht-Entscheidung”, welcher ich mich nicht stellen möchte, dafür bin ich viel zu sehr Genießerin. 
  2. Jede minimale Ausnahme kann dich und deinen Körper völlig überfordern. Schon zu viel Obst kann dazu führen, dass dein Körper mit dem Abbau der Kohlenhydrate schlichtweg überfordert ist. Du fühlst dich müde und schlapp. Der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier und gewöhnt sich natürlich auch an die kohlenhydratarme Ernährung. 
  3. Und, wie der Name schon sagt, ist es auch eine Diät. So wie alle anderen Ernährungsformen, bei denen du gegen deine eigenen Bedürfnisse arbeitest, schränkst du dich ein. Du isst nach Plan und nicht nach Lust oder Appetit.  
  4. Bei bestimmten Erkrankungen wird die Ketogene Diät empfohlen. Das mag möglicherweise auch Sinn machen, aber jeder gesunde Mensch sollte genau überlegen, ob er diese extreme Form der Ernährung für sich wählt. Schließlich geht diese mit viel Disziplin und Verzicht einher. Vertraue lieber deinen Bedürfnissen, den eigenen Signalen des Körpers. Sonst findest du dich auf lange Sicht in 
    Gedankenkreisen wieder, geleitet von der Frage: Darf ich oder darf ich das jetzt nicht essen? 
  5. Der Abbau von Kohlenhydraten wird immer schwieriger, da der Körper wirklich entwöhnt wird und das führt langfristig dazu, dass der Stoffwechsel einschläft. Einmal verlernt, braucht der Körper Zeit, um sich wieder an Kohlenhydrate zu gewöhnen. Ich hatte diesen lahmen Stoffwechsel auch schon, zwar nicht aufgrund der Ketogenen Ernährung, aber ich weiß, wie lange es dauert und wie elend es einem geht, bis sich der Körper wieder an eine “normale” Ernährung gewöhnt hat. 
  1. Und der mit Abstand wichtigste Punkt: Die Ketogene Ernährung kann krank machen. Verdauungsstörungen, Müdigkeit und Erbrechen sind keine Seltenheit. Das ist aber noch harmlos. Viel schlimmer ist, dass der Körper total übersäuern und eine sogenannte Ketoazidose entstehen kann. Das Blut übersäuert durch zu viele Ketonkörper und das ist ernsthaft lebensgefährlich. Auch steigt das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Leber und Nieren können angegriffen werden und es kann durch zu geringe Zufuhr von bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen zu Mangelerscheinungen kommen.  

Und wie so oft steht wieder zur Diskussion: Ja, aber wenn ich mich dabei gut fühle? Ja es mag sein, dass du dich dabei gut fühlst. Denn du tust deinem Körper durch viel Gemüse und weniger Zucker ja erstmal wirklich etwas Gutes. Du ernährst dich vermutlich gesünder als vorher.  Wie schon gesagt. gibt es aber einfach zu viele „Gefahren“, die diese Diät mit sich bringt. Daran solltest du denken. Keine Ernährungsform ist komplett schlecht für dich. Bekommst du nun Lust auf etwas Süßes oder Kohlenhydrathaltiges, bist du im Zwiespalt. Soll ich, oder soll ich nicht? Wenn du es nicht schaffst, dich zurückzuhalten, fühlst du dich vermutlich nicht gut. Du befindest dich schneller, als gedacht in der so gefürchteten Negativspirale und fängst an, an dir selbst zu zweifeln. Ist es das wert? Meine Meinung – ein klares NEIN.  Es darf viel einfacher sein. Hör auf deinen Körper, denn dein Körper weiß Bescheid!