Vegane Ernährung – hot or not?

Es ist schon einige Zeit her, als ich mich auf einen Deal eingelassen habe. Für jede auf der Wiesn zu mir genommene Mahlzeit ernähre ich mich eine Woche vegan. Mutiges Vorhaben, denn wer mich kennt weiß, dass ich sehr gerne auf die Wiesn gehe und dass ich mich in meiner Ernährung nur ungerne einschränke. Dennoch habe ich es mir fest vorgenommen. Ich bin trotzdem gerne immer wieder auf die Wiesn gegangen. Ich habe ehrlich mitgezählt, manchmal sogar etwas mehr Mahlzeiten gezählt als nötig (ein geteiltes halbes Hendl habe ich bspw. als ganze Mahlzeit gezählt), da ich wirklich vorhatte, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen und auch nicht im Ansatz dachte, dass es mir Probleme bereiten könnte. Vielleicht liest du zwischen den Zeilen schon, dass es nicht ganz geklappt hat. 8 Wochen hätten es werden sollen. Ganze drei Tage habe ich durchgehalten.

Ich hab es wirklich versucht und wollte dem Ganzen eine Chance geben. Aber es ging einfach nicht. Mein Körper hat förmlich nach Milchprodukten geschrien. Fleisch und Wurst waren gar nicht das Problem. Aber Käse, Quark, Joghurt, Milch – all das hat mir wahnsinnig gefehlt. Und das an nur drei ganzen und einem halben Tag, den ich durchgehalten habe. Jeder der mich kennt hat mich, als ich von meinem Vorhaben berichtet habe, erstmal für verrückt erklärt. Aber jeder der mich kennt, hätte auch gedacht dass ich es durchziehe. Aber beim besten Willen: es ging einfach nicht. Zu groß war der „Heeper“ nach Käse, Milch und Co. Einmal habe ich eine Alternative versucht – ich glaube man nennt es Alternativkäse? Es war eine Katastrophe. Ganz ehrlich, ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es jemanden gibt, dem das wirklich schmeckt. Burgerfleisch aus Kidneybohnen und Cashewkernen war ok, das kann man mal essen. Aber auch nur mal. Der Käse ging leider gar nicht. Ansonsten bietet die vegane Welt wirklich viele tolle Rezepte und ich bewundere die Kreativität, die (fast) jeder Veganer an den Tag legt.

Mich hat dieses Experiment zum Nachdenken gebracht. Ja, es sterben viele Tiere aufgrund von dem viel zu hohen Fleischkonsum. Aber ist es wirklich besser, genmanipulierte Sojafelder zu unterstützen? Ist es besser, auf Milch zu verzichten und den Anbau von Mandeln in aller Welt zu unterstützen? Warum bezahlt man mehr als 2 Euro für eine pflanzliche „Milch“, die eigentlich nur aus Wasser besteht, kann aber keinen Euro für eine frische Kuhmilch berappen? Warum wird ein halbes Suppenhuhn im herkömmlichen Supermarkt im Angebot für nur 2 Euro verkauft? Ganz einfach – weil es die Kunden kaufen. Genau das ist das Problem. Ich mag das bewusste Handeln aller Veganer und auch Vegetarier tragen bestimmt eine etwas geringere Last auf ihren Schultern. Aber man kann auch als Nicht-Veganer oder Nicht-Vegetarier bewusst konsumieren. Nur Fleisch kaufen, das aus der Region stammt und von Tieren, die ein glückliches, gesundes Leben hatten. Milch von Kühen kaufen, die frisches Gras und Heu fressen dürfen. Die Bauern unterstützen, die täglich harte Arbeit leisten. Frische Butter, hausgemachter Käse. Und das alles für einen fairen Preis statt zu Dumpingpreisen. Ich fühle mich damit sehr viel wohler, als mit dem krampfhaften Versuch, Alternativen zu finden. Alternativen, die für mich keine wirklich bessere Lösung darstellen.

Ich für meinen Teil kann mit gutem Gewissen sagen: meine Somatische Intelligenz hat gesiegt und mir ganz deutlich aufgezeigt, dass ich Milchprodukte, Fleisch und Fisch brauche. Nicht jeden Tag, aber gerne ab und zu. Dafür aber aus einer Quelle, der ich vertrauen kann und die für gute Qualität steht. Somit unterstütze ich Bauern aus der Region, tue etwas für meine Gesundheit und fühle mich einfach wohl. Ich brauche keine Nahrungsergänzungsmittel sondern bekomme über die tägliche Nahrung alles was mein Körper braucht. Vielleicht stöbere ich mal wieder nach dem ein oder anderen Rezept, denn hier bietet die vegane Welt wirklich viel Inspiration. Aber auch das muss nicht jeden Tag sein 😉